… war sein Ausdruck für das Zur-Ruhe-Kommen nach der Segelfahrt seines Lebens. Dabei ging es so zu, dass er eine halbe Stunde vor seinen Regalen stand, den Blick fest auf den fernen Snæfellsjökull geheftet. Langsam tasteten sich seine Hände zu einem Schriftsteller vor, dessen Name mit A begann und den er unter die Bücher anderer Schriftsteller mit dem Anfangsbuchstaben A zu stellen gedachte. Doch meist schlug er das Buch auf, las hier eine Zeile, dort eine, nahm das Buch dann geistesabwesend mit zum Sessel, legte es sich auf den Schoß und schloss die Augen. Ich hob es irgendwann auf und brachte es dann dem System zufolge unter, in dem er mich früher unterrichtet hatte: Im ersten Regal sollten die Bücher stehen, in denen zu lesen war, wie die Welt aussieht (Geographie), im zweiten Bücher darüber, wie es in der Welt gewesen ist (Geschichte), im dritten Werke darüber, was die Menschen über das alles denken (Philosophie und Religion), im vierten Werke darüber, was sie aus all diesem Wissen gemacht haben (Literatur, Kunst, Musik), sowie in den letzten drei Regalen Bücher darüber, was der Mensch tun kann, um sein Elend zu lindern (Psychologie, Gartenbaukunst, Hundedressur, Zusammenleben sowie Origami).
Dann wenn all diese geordnet war, pflegte er zu sagen: “Jetzt ist alles in Ordnung. Jetzt werde ich das eigentliche Leben in Angriff nehmen; denn wenn ich nun gelesen und alles richtig verstanden habe und mich außerdem erinnern kann, müsste ich jetzt ein weiser Mann sein. Ich müsste so gut wie alles wissen…”
aus: Göran Tunström - Der Mondtrinker, S. 86




