Tour de Bourgogne
Tag 11: Autun - Digoin
Wir haben bisher so viel Glück mit dem Wetter gehabt, da musste ja so ein Tag irgendwann kommen. Wir wachen bei Regen auf und machen uns beim ersten leichten Aufklaren auf den Weg, um den "Kessel" von Autun durch das Arroux-Tal zu verlassen. Ziel ist Digoin am Zusammenfluss von Arroux, Loire und Canal du Centre, von wo aus es dann wieder nach Norden und in Richtung Dijon gehen soll.
Die ersten 11 km müssen wir auf der N81 aus der Stadt heraus - Stress pur im morgendlichen Berufsverkehr. Dennoch haben wir Augen genug für die Umgebung, um erneut eine tiefschwarze Regenwolke direkt auf uns zusteuern zu sehen; eine Anfechtung, die wir wieder mal in einem Bushäuschen über uns hinwegziehen lassen. Ein Hoch auf die wasserdichten Ortliebs. Weiter geht's, mal trocken, mal nieselig, immer mal wieder gehen heftige Schauer auf uns nieder. In Etang-sur-Arroux gibt es erst mal noch einen Café au Lait zum Aufwärmen, aber irgendwann ist klar, wir müssen wieder hinaus in den inzwischen ergiebigen Dauerregen. Während hinter uns wieder die Sonne scheint, werden wir von vorne langsam aber sicher gründlich durchweicht.
Eine kurze Zwischenrast in einem Einfamilien-Rohbau wird bald vom dazugehörigen Bauherrn begutachtet, den ich gestenreich von unserer Harmlosigkeit überzeugen kann. Schließlich beschließen wir, in Toulon Mittagspause zu machen - diese Entscheidung wird dadurch bekräftigt, dass ich genau auf dem Parkplatz vor der romanischen Kirche aus dem 12. Jahrhundert mit dem dritten Patschen dieser Reise beglückt werde. Eine winzige Boulangerie macht zum Glück keine Siesta und verköstigt uns beim Flicken mit köstlichen Tartes. Bei der Gelegenheit fällt es mir auch plötzlich wie Schuppen von den Augen: Der Schwalbe Cruiser-Mantel, 1 Jahr und höchstens 3000 km alt, pfeift bereits profilmäßig auf dem letzten Loch, während der Marathon vorne fröhlich und bei bester Gesundheit bereits seinen 12.000sten Geburtskilometer gefeiert hat. Scheiß Qualität, ich hoffe, ich komme jetzt noch halbwegs heil über die letzten drei Tage.
Die letzten 30 km sind dann eine "Augen zu und durch"-Strecke. Der Regen wird immer ergiebiger, aber wenn man einmal richtig nass ist, macht das auch nichts mehr. Unangenehmer ist, dass die Straße immer befahrener wird - allerdings wollen wir auch keine Abstecher mehr machen, die das Fahren evtl. angenehmer gemacht hätten. Einquartiert haben wir uns in Digoin auf dem Campingplatz erneut in einem Mini-Chalet am Ufer der Loire, der Abend wird wie üblich mit Wäsche waschen, trocknen, kochen und essen verbracht.






