Tour de Bourgogne
Tag 8: Chaumot - Lac des Settons
Während dieser Etappe habe ich mich, meine Routenplanung, mein Fahrrad, die Strecke, jedes Grad über 20 (bei den Temperaturen) und jedes Grad über 3 (bei den Steigungen) verflucht - um es hinterher doch zu genießen, mitten im Naturschutzpark Morvan an einem herrlichen Stausee angekommen zu sein.
Als wir unseren Campingplatz früh verlassen, bemerke ich eine Radwegebeschilderung entlang des Canal du Nivernais - könnte es sein, dass da eine Reiseradlerinfrastruktur im Entstehen begriffen ist? In Corbigny wird dann erst mal eingekauft, wir wissen jetzt schon, dass wir abends einen Bärenhunger haben werden. Gleich danach geht's mit frisch gefüllten Packtaschen erst mal durch bereits am frühen Vormittag ziemlich glühende Bruthitze und noch lange vor der Einfahrt in den Naturpark ca. 8 km bergauf. Enthusiastisch und naiv wie ich bin denke ich mir, dass damit ja eigentlich ein Gutteil der heutigen Höhenmeter geschafft sein müsste - eine Annahme, die während der vertikal und horizontal ebenso langen und wunderschönen Abfahrt leider nicht mehr zu halten war.
Im Folgenden können wir aber schon die dunkel bewaldeten, Schatten versprechenden Hügel des Morvan vor uns sehen, in deren Herz wir vorstoßen wollen. In der Folge arbeiten wir uns langsam, aber stetig immer höher hinauf; die Steigungen sind zwar lang, aber so flach, dass auch gigantisch hoch mit Stroh beladene Trecker mit ihnen zurecht kommen. Dennoch zehrt die Strecke an unseren Kräften, zwischen Le Grévet und Chassaygne machen wir am Denkmal für Baron Bernard (??), dem Führer der hiesigen Résistance, eine längere Rast.
Landschaftlich gestaltet sich diese Etappe sehr abwechslungsreich, der Wald ist zumeist ein schöner, lichter Mischwald, wenn er auch gelegentlich durch Kiefern- oder Weihnachtsbaum-Plantagen ersetzt worden ist. Idyllisch sind immer wieder Ausblicke auf rainheckengesäumte Wiesen mit Herden von weißen Charolais-Rindern, die über die weiten Hügel ringsum verstreut sind. Dazwischen immer wieder kleine Bauerndörfer, in denen selbst die Wachhunde nur faul in der Sonne liegen.
Einziges echtes Ärgernis: endlose Kolonnen von Motorradfahrern, die "unsere" einsamen, kurvenreichen Landsträßchen als Rennstrecke missbrauchen. Eine Horde Halbstarker ist besonders penetrant und versucht nicht nur uns von der Straße zu drängen, sondern meint auch noch uns gestenreich und lautstark verspotten zu müssen, bevor sie mit knatternden Motoren und Wolken von Auspuffgasen zurück lassend um die nächste Kurve verschwinden. Erschrocken sind wir zunächst, als wir einige Kilometer später an einem frischen Unfall vorbei kommen, in den offenbar einer dieser Schwachmaten verwickelt ist - als sich allerdings herausstellt, dass es keine Verletzten gibt und nur das Motorrad verbeult und zerkratzt im Graben liegt, hält sich unser Mitleid in sehr engen Grenzen.
Als wir endlich Montsauche erreichen, den Hauptort nördlich unseres Ziels am Lac des Settons ist die Erleichterung groß - ich will eigentlich nur noch auf den nächsten Campingplatz rollen und vorher noch einen großen Eisbecher samt Kaffee serviert kriegen. Daraus wird nur leider nichts; nicht nur sind es noch mal einige steigungsreiche Kilometer bis zum See, wir wählen dummerweise auch die falsche Abzweigung und fahren so falsch rum um den See herum, und es wird immer einsamer, anstatt dass wir den Touristenort Les Settons erreichen würden, der sicher alle unsere Wünsche erfüllt hätte. Statt dessen fahren wir "In the middle of nowhere" und weit vom Seeufer entfernt an einem völlig ausgestorbenen Campingplatz vorbei, der uns trotz aller Erschöpfung nicht zum Bleiben animiert. Nochmal einige Kilometer weiter entdecken wir dann zum ersten Mal die spiegelnde Wasserfläche des Sees zwischen den Bäumen, und dieser Anblick motiviert die letzten Kräfte, die uns schließlich zu einem einsamen und sehr idyllisch gelegenen Platz direkt am Wasser führen. Dort gab es zwar nur ein Eis auf die Hand, aber wir fühlen uns wohl - und der obligatorische Nudelfraß und 11 Stunden Schlaf machen endgültig alles wieder gut.






