Tour de Bourgogne
Tag 6: Montbard - Vermonton
Die heutige Etappe ist als Abkürzungs-Querfeldein-Etappe geplant; zwar nicht allzu lang, dafür verlassen wir aber die idyllischen Fluss- und Kanalwege und schlagen uns quer durchs burgundische Hügelland, was den ein oder anderen Höhenmeter bedeutet.
Die Platzwartin in Montbard sagt außerdem ein Ende der Hitzewelle und statt dessen Abkühlung, Wolken und Regen voraus - nun gut, man kann nicht alles haben, und es kann nicht jeder Tag nur aus Genussradeln bestehen. Außerdem hat die heutige Strecke ihren ganz eigenen Reiz, und am Ende erwartet uns dann der Canal du Nivernais und die Yonne.
Früh um 8 sind wir schon unterwegs, uns beiden ist angesichts der Wolkenberge nicht nach Frühstück - ein nasses Zelt einzupacken ist keinen Kaffee wert. Gleich nach Verlassen des Campingplatzes sehen wir vor uns eine tiefschwarze, wie mit dem Lineal gezogene Gewitterfront samt melodramatischem Blitzspiel im Innern - ein Schauspiel, das wir lieber in einem Bushäuschen abwarten. Sobald der Himmel wieder ein kleines bisschen heller wird, starten wir allerdings durch; und man glaubt es kaum, aber nachdem diese Anfechtung überstanden ist, haben wir bis auf ein paar vereinzelte Tropfen keinen Regen mehr abbekommen, obwohl sich auf der gesamten Tagestour ununterbrochen rund um uns riesige Wolkentürme aufbauen und wieder entladen.
In Rougement verlassen wir den Kanal, der uns so lange treu begleitet hat in Richtung Westen, und es geht gleich erst mal einige Kilometer zwar nicht steil, aber lang bergauf - gut zum Warmfahren. Danach erwartet uns bis Noyers, das wir uns als Zwischenziel erkoren haben eine endlose Folge von Hügeln. Landschaftlich gibt dieses Teilstück nicht allzu viel her, kleine Wälder und abgeerntete Felder bilden die Kulisse unter dem grauen Himmel. Obwohl wir uns im südlichen Zipfel des Chablis-Gebietes befinden, ist weit und breit kein Weinberg zu entdecken.
Immer wieder eine Augenweide sind allerdings die kleinen Bauerndörfer, durch die man alle paar Kilometer fährt - diese sind absolut authentisch und nicht für Touristen "hergerichtet" und wirken trotzdem dank des üppigen Blumenschmuckes vor jeder Haustür und an jedem Fenster unheimlich freundlich - wenn auch ein bisschen wie Museumsdörfer, da unter Tags wie ausgestorben. Die Ruhe, der wir überall im Land begegnen ist überhaupt sehr entspannend. Die Hauptferienzeit in Frankreich und den Nachbarländern ist schon vorbei, die Campingplätze nur mäßig gefüllt, und die kleinen Landstraßen fast gar nicht befahren - einfach herrlich!
Kurz vor Noyers geht es dann in einer kilometerlangen, herrlichen Abfahrt hinunter ins Tal des Serrein und hinein in eine der "schönsten Kleinstädte Frankreichs", wie Noyers-sur-Serrein selbst für sich wirbt - was durchaus seine Berechtigung hat. Wir werfen einen ausführlichen Blick in die engen Gässchen und die Auslagen der vielen skurrilen kleinen Läden, bewundern Fachwerkgiebel und Schnitzereien an Hauswänden und stillen unseren Hunger mit einigen hausgemachten Quiches und Tartes. Diese Kraftspender sind auch nötig, steht uns doch noch ein ebenso langer Anstieg wie zu Beginn der Etappe bevor, bis Puits-de-Bon geht es ununterbrochen bergauf. Da sind wir froh, dass es nicht mehr so heiß ist. Hinter Nitry geht es dafür dann wieder endlos bergab, und das genau so flach, dass man es einfach laufen lassen kann.
Die letzten 10 km führen dann fast eben durch ein Tal, das nicht nur herrlich grün, sondern auch endlich von diesen bezaubernden, neugierigen, treu blickenden weißen Charolais-Rindern bevölkert ist. Abends dürfen wir dann wieder mal feststellen, dass die hiesigen Campingplätze einfach genial sind, heute haben wir schon wieder so ein Prachtexemplar erwischt - der Platz in Vermenton ist unglaublich idyllisch am Ufer der Cure gelegen, wir haben einen Zeltplatz mit Tisch, nur der Chablis zu den Nudeln ist ein wenig sauer.











