Physiktour: Berlin - Kopenhagen - Usedom
Tag 7: Ulslev Strand – Feddet Camping
Dänemark ist ein windiges Land, wie wir bei der heutigen Etappe feststellen dürfen, und wie in diesen Breiten üblich kommt er meistens aus Westen bzw. Nordwesten.
Wenn genau dies die Richtung ist, in die man sich bewegen will, ist das natürlich dumm, allerdings kann uns ein bisschen Gegenwind zunächst nicht mehr so wirklich schrecken; immerhin ist es bei unserem Aufbruch zwar bewölkt, aber trocken, wenn auch mit ca. 18°C ziemlich kühl. die ersten 20 km gehen direkt an der Ostseeküste entlang durch wunderschönen Buchenwald. Es ist herrlich, durch diesen stillen, majestätischen Wald zu fahren, absolute Stille rundum, und ab und zu blitzt von rechts die Ostsee herüber. Zwischendurch kommen wir immer wieder an kleinen bunten Hexenhäusern vorbei, die ganz vereinzelt gelegen mit ihren farbigen Schindeln und gepflegten kleinen Vorgärten ein wirklich zauberhaftes Flair vermitteln.
An der Landwirtschaftsschule Haesgård, einem beeindruckenden schlossartigen Gebäude, muss ich dann aber doch meine festen Schuhe hervorholen, im Wind wird’s sonst zu kalt. Diesen kriegen wir das erste Mal so richtig zu spüren, als wir eine kleine Abkürzung nach Stubbekøbing nehmen, er bläst uns direkt von vorne mit Schmackes ins Gesicht. In Stubbekøbing kommen wir genau richtig für die Fähre nach Bogø, die uns kurz vor dem Ablegen noch schnell an Bord nimmt. Damit haben wir Falster auch schon wieder verlassen, und die Fahrt über den Grønsund-Damm hinüber auf die Insel Møn war nun mit Rückenwind eine wahre Freude. Zur Belohnung dafür, dass wir eine riesige, sehr raumgreifende und trotz ausgiebigen Klingelns nicht weichen wollende Radlergruppe weit hinter uns gelassen haben, gibt’s in Store Damme erst mal Cappuccino und ein Pilz-Omelette.
Von Store Damme nehmen wir den kurzen Weg direkt nach Norden, um Stege und 10 km Bundesstraße zu vermeiden. Auf dem Weg gibt es noch das „Kong Asgers Høj“ zu besichtigen, das steinzeitlichen Hügelgrab eines dänischen Ureinwohners, was wir gemeinsam mit ein paar Polen und Deutschen auch getan haben. Von der kulturhistorischen Bedeutung einmal abgesehen ist es drinnen ziemlich kalt, feucht, dunkel und eng, dafür ist der Ausblick von oben auf die Stege Bugt und den Ulvsund um so schöner.
Bei der Gelegenheit können wir uns auch gleich schon mal anschauen was uns als nächstes erwartet: Die Brücke „Dronning Alexandrine Bro“ über den Ulvsund, gut zwei Kilometer lang. Der Wind hat inzwischen Sturmstärke erreicht, und wir spüren das Stahlgerüst unter unseren Rädern bei jedem Windstoß vibrieren, außerdem geraten die Luftstrudel, die jeder vorbeifahrende LKW oder Campingwagen hinterlässt, zur echten Gefahr. Letztendlich schieben wir die Räder lieber von Møn nach Seeland, auch wenn wir für die Überquerung eine gute halbe Stunde brauchen – immerhin haben wir so Muße, die wunderbaren Ausblicke auf Sund und Ostsee in aller Ruhe zu genießen.
Seeland ist schon unsere letzte dänische Insel auf dieser Reise und begrüßt uns gleich mit einer Herausforderung: Hügelhopping wie im Weinviertel, und der Wind kommt natürlich immer noch aus der falschen Richtung. Selbst im Bikeline-Führer sind die folgenden 20 km als ständiges Auf und Ab mit knackigen Steigungen verzeichnet – zwar allesamt nicht besonders lang, aber die Masse macht’s. Windschattenfahren ist wegen des Seitenwindes und der starken Böen nicht möglich, einmal katapultiert es Marcus in einem unachtsamen Moment wirklich fast in die Böschung. Bis Praesto kämpfen wir uns so mit einem Schnitt von ca. 8 km/h voran, danach wird es wieder einfacher. Nach einer kurzen Rast im Schatten einer riesigen alten Eiche nehmen wir das letzte Teilstück unter die Räder, das zwar über die Bundesstraße, dafür aber direkt am Praesto Fjord entland führt, der in der Spätnachmittags-Sonne traumhaft schön glitzert. Den ersten anvisierten Campingplatz verpassen wir Irgendwie, so dass wir letztendlich auf der Halbinsel Feddet landen, die fast zur Gänze mit einem Giganten von Campingplatz besiedelt ist, auf dem Weg zur Rezeption fährt man kilometerweit zwischen Wagenburgen hindurch. Wir belegen ein zauberhaftes Plätzchen wieder direkt am Wasser und mit Meerblick, das nur einen Nachteil hat: Sogleich nach Sonnenuntergang macht sich eine Armada von Mücken über uns her, die selbst durch unsere langen Hosen hindurch an den von ihnen so begehrten Lebenssaft kommen.













