Physiktour: Berlin - Kopenhagen - Usedom
Tag 2: Ziegeleipark Mildenberg
Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal eine Nacht so tief und fest geschlafen hätte. Die lange Zugfahrt, die Zahnschmerzen und Schmerzmittel sowie die Bewegung an Sonne und frischer Luft haben mir am Vortag den Rest gegeben.
Die Nacht war herrlich - am Wasser wurde es angenehm kühl, die lieben Mitcamper haben ebenfalls der Ruhe gefrönt, und so habe ich mich geschlagene 12 Stunden erholen können.
Am Vormittag steht dann der nötige Gang zum Zahnarzt an, und so mache ich mich nach einem Instant-Cappuccino auf den Rückweg nach Zehdenick, ein Weg, der an den seit der Stilllegung mit Wasser gefüllten ehemaligen "Stiche" (Tongruben) des Ziegeleiwerkes vorbeiführt und auf dem mir auch schon wieder die ersten Reiseradler entgegen kommen. Überhaupt wird hier offensichtlich auch sonst sehr viel Rad gefahren, was sich allerdings in dieser wunderschönen und noch dazu fast völlig flachen Landschaft auch anbietet. Auf der Suche nach einem Zahnarzt - der von der netten Dame im Campinggasthof empfohlene ist leider im Urlaub - habe ich Gelegenheit, mir Zehdenick etwas näher anzusehen. Vor allem die Masse an Radfahrern jeden Alters und Couleur und die wenigen, dafür um so rücksichtsvolleren Autofahrer beeindrucken mich. In dieser Gegend hat man sich offensichtlich viel Mühe gegeben, im Zuge des Ausbaus des vorbeiführenden Radfernwegs etwas für die Klientel von Radfahrern und insbesondere -touristen zu bieten. So ist die zentrale Brücke über die Havel nur von Radfahrern und Fußgängern benutzbar und dabei noch so flache, dass sie für die regelmäßige Passage von Booten hochgeklappt werden muss. So werden Autos effizient aus der Innenstadt ferngehalten.
Nach einigem Suchen und Fragen sitze ich schließlich im Wartezimmer von Frau Dr. Völz, allerdings nicht lange - und kaum bin ich auf den Behandlungsstuhl umgezogen und liege dort kopfunter, wird auch schon fröhlich losgebohrt. Ohne Betäubung, versteht sich - wow, das ist ein hartes Völkchen, diese Brandenburger, wenn die das klaglos mit sich machen lassen. Meine Klage ist auf jeden Fall lautstark, so ein entzündeter Nerv fordert eben sein Recht; danach geht's dann ganz schnell, das Loch wird ausgebohrt, ausgeputzt und provisorisch gefüllt, und ich fahre mit der berechtigten Hoffnung wieder zum Campingplatz zurück, dass ich jetzt die nächsten zwei Wochen Ruhe habe. Der Rest des Tages vergeht mit lesen, Tagebuch schreiben, baden und faulenzen - so soll ein Urlaub sein.


