Physiktour: Berlin - Kopenhagen - Usedom
Tag 1: Wien - Berlin - Ziegeleipark Mildenberg
Zum Packen war über das bereits vergangene Wochenende viel Zeit, so dass wir relativ unbesorgt, irgendetwas Überlebenswichtiges vergessen zu haben, unsere Tour starten.
Die Anreise von Wien nach Berlin verläuft problemlos - am Startbahnhof ist alle Zeit der Welt, um die Räder in Ruhe zu verladen, nicht mal abpacken mussten wir die vielen Taschen - und die Nacht haben wir trotz schnarchender Mitbewohner und drückender Hitze irgendwie hinter uns gebracht. Bei der Ankunft am Bahnhof Zoo bin ich zwar ziemlich gerädert, aber die Aussicht auf einen sonnigen Tag im Sattel und ein ausgiebiges Frühstück am Kurfürstendamm bringt mich auf die Beine, auch wenn ich zugegebenermaßen nicht besonders wohlriechend bin ;)
Nach Erledigung der restlichen Karten- und Reservierungstasks für die Rückreise, frischem Orangensaft, Croissants und Café Latte beschließen wir, uns nicht den Berliner Berufsverkehr anzutun, den offiziellen Radweg Radweg sein zu lassen und mit der S-Bahn nach Oranienburg rauszufahren, bevor wir so richtig durchstarten. Dort zeigt sich der Radfernweg Berlin-Kopenhagen gleich von seiner besten Seite: es geht völlig einsam durch wunderschöne Mischwälder aus Kiefern, Fichten, Birken, Eichen und Buchen, zwischendurch auch immer wieder durch reine Kiefernwälder (Marcus: "Hier riecht's nach IKEA!") und immer wieder an Wasserläufen entlang - Oder-Havel-Kanal und Voss-Kanal sind von Grüppchen kleiner und größerer Freizeitboote bevölkert, die nacheinander durch Schleusen geschleust werden und uns so die Zeit vertreiben.
Wir merken schnell: Die Radwege in Brandenburg sind perfekt ausgebaut, asphaltiert und so gut wie völlig verkehrsfrei, einfach vorbildlich. Ich bin sehr gespannt, ob die Wege in Mecklenburg-Vorpommern dagegen wirklich qualitativ so abfallen wie häufig berichtet... Unser Ziel für den ersten Tag ist der Ziegeleipark Mildenberg, der als renaturierte und revitalisierte DDR-Industriebrache sehr reizvoll mitten in der Landschaft liegt. War dies zu DDR-Zeiten noch eine der größten Ziegelproduktionsstätten in Europa, ist es heute eine Traumlandschaft für Wassersportler und Radler, während die riesigen Brennöfen samt dazugehöriger Technik zum Museum umgestaltet wurde.
Leider überfällt mich kurz vor Erreichen unseres Tagesziels bei einer kurzen Rast ein fürchterlicher Zahnschmerz - ausgerechnet am ersten Urlaubstag, und das wo ich in den vergangenen Wochen ununterbrochen beim Zahnarzt gesessen habe! Nur mit Hilfe zweier Schmerztabletten bringe ich die letzten 10 km bis zu dem bildschönen Zeltplatz unter Bäumen hinter mich, wo nach dem schnellen Zeltaufbau erstmal eine laaaaange heiße Dusche fällig ist - im Hochsommer sollte man nicht 24 Stunden die gleichen Klamotten tragen, wenn man sich auch noch körperlich betätigt. Marcus geht sogar noch baden, ist der Platz doch direkt am Voss-Kanal gelegen und bietet auch einen Bootsanlegeplatz für Freizeitskipper. Wir sind zum Glück so rechtzeitig da, dass wir uns noch einen der schönsten Plätze aussuchen können - immerhin müssen wir hier gleich unseren ersten Ruhetag verbringen, denn ich werde am nächsten Tag erstmal einen örtlichen Zahnarzt aufsuchen müssen.









