Von der Donau an den Rhein
Tag 11: Rothenburg o. d. Tauber - Bad Mergentheim
Die Künstlerin, mit der ich unterwegs bin, kann sich den Riemenschneider-Altar in Rothenburg natürlich nicht entgehen lassen, so dass wir den Vormittag für eine relativ ausführliche Stadt-, Kirchen- und Altarbesichtigung genutzt haben. Auch in meinen Augen ist die Stadt – von den allgegenwärtigen Japanern abgesehen – allerdings ein echtes Erlebnis, man fühlt sich in vergangene Zeiten versetzt. Man fragt sich, warum diese engen Gassen nicht längst autofrei sind.
So kommen wir ausnahmsweise mal erst gegen Mittag los – und starten sofort in die geballte Lieblichkeit des Taubertals. Nach der Idylle der Altmühl ist die Tauber fast noch eine Steigerung, wenn auch im Charakter ganz anders. Jetzt fahren wir zwischen Weinbergen und Apfelplantagen hindurch, zwischendurch immer mal wieder kleine Wäldchen, allerdings geht es immer wieder ziemlich heftig rauf und runter – unnötige Höhenmeter, die mir allerdings den Genuss am “Radfernweg Taubertal” nicht trüben können. Das “Fern” ist jedoch eher bildlich gemeint, ist der Weg doch insgesamt kaum mehr als 100 km lang. Wir können diesen Weg allerdings dennoch zwei Tage lang genießen, da wir die erste Etappe nach bereits 45 km in Bad Mergentheim beenden.
Davor erwarten uns aber noch einige Perlen entlang des Flüsschens, kleine Städtchen und Ortschaften, die eine wie die andere zauberhaft und einmalig sind. So viel Romantik kann schon fast zu viel werden. Creglingen und Weikersheim locken zu kurzen Pausen und kleinen Streifzügen durch die Gassen. Nach Bad Mergentheim ist es dann nicht mehr weit, allerdings müssenen wir zum Campingplatz wieder einige Kilometer raus aus der Stadt – wo dann schließlich ein Zeltplatz-Erlebnis auf uns wartet, das wohl auch zu einem echten, zünftigen Campingurlaub gehören muss. Schon an der (geschlossenen) Schranke erwarten uns Verbotsschilder in mindestens sechs Sprachen, man glaubt ja gar nicht, was man auf so einem Platz alles untersagen kann – inkl. Wasser holen und Wäsche waschen. Nachdem wir uns einen Stellplatz auf einem spärlich begrünten Hang gesucht haben, lockt mich das stille Örtchen – obwohl, ich hätte es wissen müssen, die Sanitäranlagen sind offensichtlich uralt, schmuddelig, verdreckt, dunkel und eng. Spätestens als ich den Klopapier-Automaten mit der Aufschrift “Bitte 2x 10 Pfennig einwerfen” entdecke, suche ich die versteckte Kamera... Die Duschen kosten zwar umso mehr, sind dafür allerdings kaum benutzbar, so dass Meike wutschnaubend und mit Restschaum im Haar zum Zelt zurückgestapft kommt.
Das einzig Erfreuliche an dieser Nacht ist die Platzgesellschaft, eine Gruppe Jungs auf dem Weg in die Dolomiten und nach dem ersten gemeinsamen Tourtag – die sind noch erschossener als wir. Lebhaft schildern sie uns die “völlig überflüssigen Höhenmeter”, die uns zwischen Bad Mergentheim und Wertheim erwarten - eine Voraussage, die sich als völlig richtig erweisen sollte.
















