Von der Donau an den Rhein
Tag 9: Kipfenberg - Meinheim
Ausgeschlafen und erholt geht es nun endlich weiter – die Altmühl lockt. Nachdem wir inzwischen über 600 km in völlig flachem Gelände unterwegs waren, haben wir heute das erste Mal ein paar Hügel zu erklimmen – das Altmühltal ist halt ein wenig enger als das Donautal, da ist rechts und links nicht ganz so viel Platz.
Mir gefällts, die Hügelchen sind problemlos zu fahren, und so hat man endlich mal einen etwas anderen Blick auf den Fluss, den man begleitet. Meike mit ihrem Krüppelknie hat da schon mehr Schwierigkeiten, aber letztendlich schafft auch sie die paar Höhenmeter, die uns an diesem Tag bevorstehen.
Am Ufer sind nun nicht nur in beide Richtungen viele Radler unterwegs, sondern uns kommen auf dem engen, verwundenen Fluss auch immer mehr Wasserwanderer entgegen. Die Altmühl bietet sich an, ist perfektes Gebiet, um sich auch als Anfänger langsam und gemächlich den Fluss hinunter treiben zu lassen und dabei nicht viel mehr tun zu müssen als die Landschaft zu genießen. Gleiches tun wir natürlich auch, auch wenn wir in der anderen Richtung unterwegs sind. Wieder so ein klassischer Genussradel-Tag.
Bisher haben wir das Glück gehabt, dass wir ausnahmslos nach angenehmer Etappenlänge einen Schlafplatz gefunden haben, meist einen Campingplatz. Heute ist die berühmte Ausnahme von dieser Regel. Bereits am frühen Nachmittag und nach nur 65 km kommen wir nach Pappenheim, das zwar ein hübsches Städtchen ist, uns aber eigentlich noch nicht so richtig zum Bleiben einlädt. Und nein, wir haben unsere Pappenheimer nicht näher kennen gelernt. Zwischendurch müssen wir zwar schon mal prophylaktisch die Regenjacken auspacken, dennoch wollen wir weiter, auch wenn wir kein wirkliches Ziel haben. Dafür besuchen wir am Nachmittag in Sollnhofen noch das berühmte Museum, in dem der Archaeopteryx ausgestellt ist – hochspannend, auch wenn wir uns nicht die Zeit nehmen, selbst nach Fossilien zu suchen.
Irgendwann stellt sich dennoch die Frage – wo das müde Haupt zur Ruhe betten? Zum Wildcampen kann ich mich nicht überwinden, schon mal gar nicht bei schlechtem Wetter, außerdem bestehe ich auf einer heißen Dusche. Der nächste Campingplatz ist noch weit, also überwinden wir uns und überreden uns gegenseitig zu einer erneuten Nacht unter festem Dach. Meine Grippe würde es zusätzlich danken, und wir denken uns nach der ersten Pensions-Erfahrung, dass es ja nicht so schwer sein kann, da was Passendes zu finden. Erster Versuch: In Wettelsheim kurz hinter Treuchtlingen will uns eine Bäuerin ein Doppelzimmer ohne Frühstück für 20,- € pro Person verkaufen – Frechheit. Die drei Gasthöfe am Ort haben astronomische Preise, kaum zu glauben, welche Heerscharen kommen zur Urlaubszeit hierher, die das zahlen? Also raus aus dem Kaff, gleichzeitig mit dem ersten Wolkenbruch geht vor uns die Bahnschranke runter – die Laune sinkt mit. Nächster Versuch: Bubenheim – winziger Ort, eine Kirche hat er, ein Bett für uns nicht. Dann: Markt Berolzheim, 4 km weiter, wir inzwischen nicht nur nass bis auf die Haut, sondern auch ziemlich verfroren. Immerhin schon zwei Kirchen, aber immer noch kein Bett. Irgendwer in der Gegend hat was gegen uns. Was sollen wir machen, es geht noch ein Örtchen weiter – nach Meinheim, der Name ist Programm, die Odyssee hat ein Ende. Inzwischen ist es finster, aber wir finden ein feudales Zimmer im "Landgasthof Grünsteudel", bekommen sogar noch eine Brotzeit, unsere Räder werden über Nacht eingeschlossen, und morgens erwartet uns ein üppiges Frühstücksbuffet. Der Wetterbericht sagt Hagel, Unwetter und Platzregen für die Nacht voraus und hat zur Abwechslung sogar recht, ich bin froh, nicht mehr unterwegs sein zu müssen.






