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Leithagebirge und Neusiedler See

Tag 2: Breitenbrunn - Mörbisch - Wulkaprodersdorf

Für uns war die Nacht früh zu Ende - wir hatten den Platz schon geräumt, bevor der große Trubel wieder losging. Ein schnelles Frühstück mit Müsliriegel, Salamibrot und Instant-Cappuccino musste reichen. Der Wind hatte, um sich wieder in Erinnerung zu bringen, freundlicherweise weiter in Richtung Süd gedreht, weil das ja auch unsere Richtung war - irgendein Wettergott war da sehr aufmerksam.

Zurück gings also erstmal aufs "Festland", vorbei an den Feldern, wo die Schilfnocken zum Trocknen standen - kaum zu glauben, dass das Schilf aus dem Burgenland dann meistens nach Norddeutschland verkauft wird, um da zu Reetdächern verarbeitet zu werden. Auf dem Weg Richtung ungarische Grenze hatten wir wirklich zu kämpfen - und haben doch die Landschaft sehr genossen. Links das Schilf, rechts die Weingärten und die Hänge des Leithagebirges, ein reizvoller Gegensatz. Besonders hübsch: die großen Rosenbüsche, die häufig am Anfang der Weinstockreihen stehen und die gerade in voller Blüte standen - knallrote, zartrosa und pinke Farbexplosionen zwischen dem vielen Grün. Ein wenig Rot brachte auch eine andere Köstlichkeit ins Bild: Die allerersten Kirschen reiften gerade heran, und auch diese Bäume standen eigentlich fast immer in greifbarer Nähe der befahrenen Wirtschaftswege. Auch wenn Marcus mir was von Selbstschussanlagen und Standgerichten der einheimischen Bevölkerung erzählen wollte, konnte ich ja doch nicht ganz an mich halten...

In Mörbisch haben wir dann nochmal einen Abstecher "in den See hinein" gemacht, um uns die Bühne der berühmten Operetten-Seefestspiele anzuschauen - was leider daran scheiterte, dass dort auch ohne Vorstellung Eintritt zu zahlen war, wozu wir nicht bereit waren. Also zurück, hinter einer kleinen Familie her, die den gesamten Verkehr blockierte, weil der jüngste Sprössling nur mit der Hand des Vaters im Rücken vorankam. Schon mal was von Like-a-Bike gehört? Naja wurscht, als wir Mörbisch gen Westen und bergauf verlassen haben, waren wir eh schnell wieder allein. Der Plan war, uns über Landstraßen Richtung Wulkaprodersdorf zu schlagen - zum Einen, weil man da einfach mal gewesen sein musste, zum Zweiten, weil von da aus eine Schnellbahn direkt nach Wien ging. Das hat dann auch ganz gut geklappt, auch wenn es jetzt nochmal richtig heftig runter und vor allem rauf ging - bergauf immer in der prallen Sonne, die Abfahrten dafür im Schatten. Ist das gerecht? Irgendwann kamen wir an einem wahrhaft idyllischen Rastplatz vorbei, mit Bänken und Tisch und allem drum und dran und belegt von einem Pulk junger Männer in Oliv, die uns misstrauisch hinterher blickten - da war die ungarische Grenze nicht mehr weit. Gekreuzt haben wir sie aber wohl nicht, sondern sind nur ein paar Kilometer direkt auf ihr entlanggefahren, auf jeden Fall wollten die ungarischen Grenzer, denen wir irgendwann auch begegneten, keine Ausweispapiere sehen - dann hätten wir auch ein Problem bekommen.

Das letzte Stück ging es dann leider an einer Bundesstraße entlang, was sich allerdings wegen des nagelneuen Radweges als nicht ganz so schrecklich herausstellte. In Wulkaprodersdorf haben wir dann noch auf die Schnelle einen ziemlich schlechten und ziemlich teuren Pseudo-Buschenschank ausfindig gemacht, der zu allem Überfluss noch eine Familienfeier zu verköstigen hatte und uns als wohl nicht ganz ins gutbürgerliche Bild passend klassifizierte - egal, wir hatten Hunger! Leider hatten wir dann doch wegen dieses Schmauses unsere Bahn verpasst, so dass wir noch zwei Stunden auf dem Bahnsteig kampieren mussten. Die Zeit ging aber letztendlich doch auch vorbei, und wir hatten endlich mal wieder ein wirklich schönes Radel-Wochenende gehabt!

Morgendliche Ruhe
Morgendliche Ruhe
Trocknende Schilf-Nocken
Schilf-Nocken
Der ist aber nett
Der ist aber nett
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