Leithagebirge und Neusiedler See
Tag 1: Wien - Breitenbrunn
Für den ersten Radausflug in diesem Jahr hatten wir uns das Westufer des Neusiedler Sees vorgenommen. Nachdem wir im letzten Jahr das Ostufer von Neusiedl bis nach Illmitz abgefahren hatten und wir dieses Mal von Breitenbrunn bis nach Mörbisch gekommen sind, fehlt uns nur noch der ungarische Teil - wir sind wahrscheinlich die ersten Radler, für die eine Umrundung des Neusiedler Sees ein Dreijahres-Projekt ist.
Sei es wie es sei, man hat ja immerhin auch immer noch die Anreise zu bewältigen, und die sollte uns diesmal übers Leithagebirge führen, über die "Pass-Straße" (ich weigere mich, Wörter mit drei gleichen Buchstaben zu schreiben) bei Kaisersteinbruch. Für Ortsfremde: Das Leithagebirge ist ein weiiiiiit entfernter Verwandter der Alpen - so weit entfernt, dass schon fast gar keine Verwandtschaft mehr festzustellen ist. Auf jeden Fall braucht man über Wollsocken oder Sauerstoffgerät nicht nachzudenken, diese kleine Barriere zwischen Wien und dem Steppensee erreicht nämlich nur gerade knapp 500 m.
Wie zu erwarten, machte uns denn auch mehr der Gegenwind zu schaffen, der uns teilweise stürmisch entgegen blies. Direkt hinter Wien-Unterlaa haben wir uns auch aufgrund baustellenbedingt fehlender Beschilderung auch prompt das erste Mal verfahren - wie könnte es anders sein. Den richtigen Weg wiederzufinden bedeutete, sich ein wenig entlang eines Bahngleises durch die Büsche zu schlagen, so kurz hinter der Großstadt konnte man also schon das richtige Wildnis-Feeling kriegen. Weiter gings dann aber ohne weitere Zwischenfälle, die Wege waren so wie beschrieben, und die vielen kleinen Bauerndörfer sorgten immer mal wieder für Abwechslung. Der Frühsommer ist ja doch eine der schönsten Jahreszeiten - die bunten Felder, voll mit Mohn und Kornblumen, erfreuten uns mit ihren knallbunten Einsprengseln in der Landschaft immer wieder.
Für Anfang Juni hatten wir uns ein schon richtig heißes Wochenende ausgesucht - konnte ja da noch keiner ahnen, dass das bis September so bleiben sollte. Unsere Strecke bescherte uns leider so gut wie keinen Schatten, so dass wir schon bald - da die Hitze auf dem Rad und bei dem Wind auch nicht so spürbar war - den ersten Sonnenbrand eingefangen hatten. Außerdem wurde so gut wie jeder verfügbare Friedhof angefahren, um die Wasserflaschen wieder aufzufüllen. Bis Sommerein hatten wir dann die ersten 40 km und bestimmt auch schon die ersten - naja, sagen wir mal, paar Dutzend Höhenmeter hinter uns gebracht - eine Pause hatten wir uns verdient. Mit dem Frühstück ist das ja morgens auch immer so eine Sache... also wurde erstmal eingekehrt, zünftig in einem Open-Air-Gastgarten mit eigener Garage für die Fahrräder. Danach trennten uns dann nur noch einige wenige Kilometer von Kaisersteinbruch und damit von den schattigen Hängen des Leithagebirges und dem Burgenland. Der Anstieg war dann nur noch ein Witz - es ging zwar nur langsam berghoch, dennoch waren wir relativ schnell oben. Den größten Teil des Höhenunterschieds hatten wir wohl wirklich schon auf dem "flachen" Stück seit Wien hinter uns gebracht. Die Abfahrt war dann lang und rasant, ein freundlicher Autofahrer passte sich über mehrere Kilometer meinen knapp 50 km/h an und ersparte mir ein Überholmanöver in den engen Kurven. Nur gerade so haben wir dann auch noch die Abzweigung nach Breitenfurt erwischt - in der Ferne sah man schon den See glitzern, ein erfreulicher Anblick.
Breitenbrunn ist einer der ganz wenigen Orte am Neusiedler See, wo man trotz kilometerbreitem Schilfgürtel direkt ans Wasser kommt - dank eines Stegs, der durch den Gürtel hindurchführt und an dessen ein großes Freizeitgelände samt Strand, Hafen, Surfschule und Campingplatz aufgeschüttet ist. Entsprechend groß war der Andrang, das Gelände war rappelvoll. Dennoch haben wir noch einen schönen und sogar schattigen Zeltplatz gefunden, konnten in Ruhe baden und duschen und unser gewohntes Chaos im und ums Zelt herum produzieren. Ab 20 h wurde es dann sowieso sehr viel ruhiger, die ganzen Tagesgäste hatten offensichtlich doch noch ein eigenes Zuhause.






