Kamp-Thaya-March
Fazit und Informationen
Der Kamp-Thaya-March-Radweg ist nichts für Anfänger. Auch wenn er nach gleich drei Flüssen benannt ist, bezeichnen diese doch eher die grobe Richtung bzw. Region, in der der Weg sich bewegt - die Flüsse selbst bekommt man erstaunlich und bedauerlich wenig zu sehen, stattdessen geht es eigentlich ununterbrochen durch das mehr oder weniger hügelige Umland. Im Klartext: Es geht ununterbrochen rauf und runter, und das teilweise (vor allem im Waldviertel) recht lang und heftig. Ebensowenig gibt es einen echten Radweg, sondern der Weg wird zumeist über ruhige Landstraßen und Wirtschaftswege geführt.
Positiv aufgefallen sind uns die landschaftlichen Schönheiten, die wirklich vielfältig sind. Von den mystischen, düster anmutenden Wäldern des Waldviertels mit seinen schon beinahe skandinavisch wirkenden Stauseen über die italienisch wirkenden Hügel des Weinviertels bis zur "Kornkammer Österreichs", dem Marchfeld, fährt man durch immer neue Landschaften. Und auch kulturell kann man in Städtchen wie Zwettl, Retz oder Laa immer wieder lohnende Zwischenstops einlegen. Da wir die gesamten gut 400 km an drei Wochenende gefahren sind und dazwischen immer mehrere Wochen Zeit lagen, fiel es mir allerdings jedes Mal ein wenig schwer, wieder dort anzuknüpfen, wo wir aufgehört hatten und mich auf die Strecke einzulassen.
Kritik:
Als Kritikpunkte fällt mir zum Einen die Streckenführung auf. Wer immer diesen Radweg konzipiert hat, war offensichtlich darauf bedacht, dem Radler so wenig anderen Verkehr zuzumuten wie möglich - an sich ein löbliches Unterfangen. Dies führt allerdings dazu, dass der Radweg so weit wie möglich über Feld- und Wirtschaftswege geführt wird, die nicht nur garantiert immer über die höchsten Hügel führen, sondern teilweise auch in erbärmlichem Zustand sind - schlechter Schotter mit Wellblech und Schlaglöchern ist uns immer wieder begegnet. Das ist besonders ärgerlich, wenn man sieht, dass nur wenige hundert Meter entfernt parallel eine wunderbar asphaltierte und völlig verkehrsfreie Landstraße entlangführt.
Zweiter, großer Kritikpunkt: Die von uns verwendete Literatur, der KTM-Führer aus dem freytag & berndt-Verlag. Die Beschreibung der Tour war schon deshalb unbrauchbar, weil Wegbeschreibung und Hintergrundwissen zu Sehenswürdigkeiten gnadenlos vermischt war und man sich deshalb die wichtigen Informationen aus jedem Absatz mühsam heraussuchen musste. Insgesamt war der Weg so gut ausgeschildert, dass man auch die Karte gar nicht gebraucht hätte, wenn es nicht zwei oder drei schwere Fehler in der Beschilderung gegeben hätte. Außerdem ist die Karte einfach schlecht - zwar im Maßstab 1:50.000 gehalten, entbehrt sie doch jeglicher Information, die für einen Reiseradler von Belang sein könnte. So sind weder Oberflächenbeschaffenheiten noch Steigungen eingetragen (die paar eingezeichneten Steigungspfeile sind erstens völlig willkürlich gesetzt und tauchen außerdem in keiner Legende auf, so dass man nicht weiß, was genau sie denn zu bedeuten haben), außerdem fehlen so essentielle Hinweise wie Campingplätze in der Karte völlig. Dafür ist auf der gesamten Strecke jedes einzelne Marterl (für Nicht-Österreicher: Gebetskreuze an der Straße) aufgeführt, eine Information, ohne die der durchschnittliche Radreisende sich wahrscheinlich kaum zurecht finden wird. Dazu kommt, dass es nur eine einzige kleine Übersichtskarte gibt, ein Höhenprofil fehlt völlig. Insgesamt: für einen so gut beschilderten Weg ist dieser Führer völlig unbrauchbar, eine normale Straßenkarte hätte bei dem ein oder anderen Verfahrer absolut ausgereicht.
Verwendetes Kartenmaterial
Schubert & Franzke: Kamp-Thaya-March-Radroute (ISBN: 3-7056-0408-2)


