Header
Line
Line
Line

Kamp-Thaya-March

Tag 7: Poysdorf - Dürnkrut

Eigentlich wollten wir ja den offiziellen Weg komplett befahren und es bis Marchegg schaffen, das wären gut 90 km gewesen. Leider hat uns der Wettergott einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Nach einer dank Ohropax wunderbar ruhigen Nacht (am Badeteich nebenan war Schaum-Open Air-Disco für die Dorfjugend) sind wir relativ früh auf den Beinen. Es ist schon richtig herbstlich kühl, aber der obligatorische Instant-Cappuccino weckt unsere Lebensgeister - zusammen mit den Semmeln vom Vortag und einem guten Stück Salami dazu sind wir bereit für diese letzte KTM-Etappe. Das Zelt müssen wir natürlich klatschnass einpacken, bei den Temperaturen wäre es wahrscheinlich Mittag geworden, bevor es abgetrocknet gewesen wäre. Vor unserem Aufbruch habe ich dann noch einen netten Schnack mit einer Rentnerin aus der Hamburger Gegend, die bereits seit Wochen mit ihrem Wohnmobil Österreich und die umliegenden Länder bereist... in Pension müsste man sein.

Die Wasserflaschen gefüllt, geht es bei strahlendem Sonnenschein und gleich wieder bergauf erst nach Herrnbaumgarten und dann wieder geradewegs gen Osten nach Hohenheim. Leider müssen wir feststellen, dass wir wohl gleich mehrere Windgottheiten gegen uns aufgebracht haben - der Wind kommt nicht nur (wie immer und zu erwarten) von vorn, sondern ist auch noch um einiges stürmischer als am Vortag. Das Weinviertel weicht nun so langsam auch der Landschaft des Marchfelds, das heißt, uns erwarten Hektar um Hektar relativ plattes Land mit mehr oder weniger abgeernteten Feldern. Das exzessive Abholzen der Auen und Wälder in dieser Gegend und die intensive landwirtschaftliche Nutzung hat im letzten Jahrhundert zu starker Erosion geführt, so dass das Marchfeld Gefahr lief, in absehbarer Zeit gar nicht mehr nutzbar zu sein. Um diese Entwicklung aufzuhalten, wurden zumindest sporadisch wieder Windschutzhecken angepflanzt, die uns jetzt als willkommener Schutz dienen - allerdings wird der Radweg leider meistens auf der falschen Seite geführt.

Landschaftlich ist das Marchfeld im Frühjahr und Sommer zwar vielfältiger, hat aber auch jetzt im Herbst noch einiges zu bieten. Felder mit endlosen Reihen dicker Kürbisse, Stoppelfelder mit den langen Stielen der Sonnenblumen oder Getreidefelder mit den typischen riesigen Strohballen ziehen die Blicke auf sich. Die Örtchen, die wir durchquert haben, sind allesamt typische Bauerndörfer - durch die Bank entweder mit einem türmchenbewehrten Zeughaus der freiwilligen Feuerwehr oder mit einem schnuckeligen kleinen Dorfkirchlein ausgestattet. Eine Kuriosität ist die riesige Zuckerfabrik in Hohenheim, bzw. besser gesagt ihr Kühlteich. In diesen Teich werden die geklärten, aber noch warmen Abwässer der Fabrik eingeleitet - Ergebnis ist, dass das Gewässer auch in den kältesten Wintern nicht zufriert. Das hat sich in der Vogelwelt offenbar rasend schnell herumgesprochen, und der See ist nun ein Reservat und Winterquartier für Heerscharen von Wasservögeln, die sich von einigen Aussichtsposten aus gut beobachten lassen.

In Hohenheim haben wir nun auch die March erreicht und eigentlich gehofft, in den erhaltenen Auwald rund um das Flüsschen eintauchen zu können - was uns leider nicht vergönnt ist. Der Wald ist zwar an einigen Stellen zugänglich, nichtsdestotrotz führt "unser" Radweg uns immer einige Kilometer von der March entfernt über teilweise ziemlich schlecht geschotterte Feldwege. Nach einigen weiteren Kilometern versuchen wir, wenigstens einige Kilometer über die Bundesstraße abzukürzen, was aber auch nicht die erhoffte Erleichterung bringt. Letztendlich stellen wir fest, dass wir das Marchfeld bei früheren Touren und Ausflügen eigentlich schon ausführlich und in allen Richtungen bereist haben, so dass keine bahnbrechenden neuen Entdeckungen zu erwarten sind. Wir steuern also auf dem schnellsten Weg Dürnkrut an, wo wir auch innerhalb der nächsten fünf Minuten eine Schnellbahn nach Wien mit eigenem Radabteil und entzückendem, hilfsbereitem Schaffner erwischen - gelobt sei der österreichische Nahverkehr! Damit hat unsere Bezwingung des KTM-Radwegs zwar ein ziemlich abruptes Ende gefunden, dennoch war die ganze Tour insgesamt schon ein "rundes" Projekt.

Kürbisse
Kürbisse
Kurzes Schiebestück
Kurzes Schiebestück
Kellergasse
Kellergasse
Unsere Räder
Unsere Räder
| zurück | Seitenanfang |