Kamp-Thaya-March
Tag 2: Krumau/Kamp - Ottenstein
Irgendwie muss ich geahnt haben, dass ich an diesem Tag ganz schön ko sein würde - geplant war deshalb auch nur eine Etappe, die uns irgendwie bis in die Nähe von Zwettl führen sollte, aber das kann man ja beliebig auslegen. Also haben wir uns morgens erstmal jede Menge Zeit gelassen und ganz gegen unsere Gewohnheit ausgiebig gefrühstückt - immerhin wissen wir ja schon, dass gleich hinter der Campingplatzschranke wieder eine mehrkilometrige Steigung auf uns wartet.
Irgendwann wird es dann aber auch angenehm warm, das Zelt ist trocken, und uns hält so langsam nichts mehr. Der Weg schlängelt sich gemeinsam mit dem Fluss, der inzwischen wegen der diversen Stauseen und Wasserkraftwerke an seinem Lauf nur noch ein kümmerliches Rinnsal ist. Immerhin kommen wir dadurch auch in den Genuss des Erlebnisses einer echten Furtung auf einem Weg, der für Kfz wegen Brückenbauarbeiten gesperrt ist. Richtig verwunschen durch einen tiefen Nadelwald geht die Strecke, wir haben die Straße völlig für uns, und wir haben es nicht eilig - so wünsche ich mir die Radwanderei immer. Irgendwann öffnet sich der Wald und gibt den Blick auf den Dobrastausee und die auf einer Halbinsel direkt gegenüber liegende Ruine der Burg Dobra frei - wunderschön. Ich war zwar noch nie in Schweden, aber so stelle ich es mir da auch vor. Immer wieder führen von der Straße kleine Treppen hinunter an den See, an dem kleine Buchten zum Baden einladen - ein Angebot, das wir mit unseren Drahteseln leider nicht nutzen können. Aber verlockend wär's schon...
Hinter Dobra verjüngt sich der Kamp noch einmal, bis schon kurz darauf die gigantische Staumauer des Wasserkraftwerkes Ottenstein in Sicht kommt. Der Ottensteiner Stausee ist der größte der drei und schließt nicht nur den Kamp ein, sondern staut auch noch gleich einige Nebenflüsse mit auf und bildet so ein verzweigtes Netz von Seen und Nebenseen. Ob das Ganze für das Gefüge der Natur der Region so optimal ist, wage ich zu bezweifeln, landschaftlich und erholungstechnisch ist das Gebiet allerdings ein Traum. Wir haben uns dann nach kurzer Besichtigung des Stauwerks auch bald wieder aufgemacht, in Peygarten noch schnell etwas gegessen und sind dann zum Campingplatz Lichtenfels gefahren, der auf einer Halbinsel mitten im See und im Schatten der Burgruine Lichtenfels liegt. Als wir ankommen, ist es noch ziemlich voll, dennoch macht der Platz einen guten Eindruck mit Feuerstellen etc., und die sympathische Sitte, ankommenden Reiseradlern das erste gekühlte Getränk umsonst in die Hand zu drücken, überzeugt uns dann endgültig. Nach dem verdienten Bad im Schatten der Burg und in dieser traumhaften Kulisse hätten uns sowieso keine zehn Pferde mehr hier wegbekommen. Im Laufe des Nachmittags leert sich der Platz dann immer mehr - schließlich ist Sonntag, und normale Leute müssen am nächsten Tag wieder arbeiten. Nicht so wir, wir können noch einen schönen Tag dranhängen.









