Kamp-Thaya-March
Tag 1: Krems - Krumau/Kamp
Ein bisschen aufgeregt bin ich ja schon, als wir nun endlich die Gelegenheit haben, die erste Mehrtagestour dieses Jahres in Angriff zu nehmen. Der Wettergott ist uns gnädig, so dass auch schon beim Aufstehen die richtige Motivation da ist. Alle nötigen Sachen sind schon gepackt, also können wir uns in aller Ruhe zum geplanten Zug Richtung Krems aufmachen.
In Krems gibts erstmal Frühstück im schon bekannten Bahnhofscafe, danach gehts dann endlich auf die Strecke - und sobald wir aus der Stadt raus sind, gehts auch schon kräftig bergauf. Naja, ich habe ja vorher gewusst, worauf ich mich einlasse - dachte ich. So früh am morgen sind die Steigungen aber noch gut zu bewältigen, außerdem ist es einfach wunderschön, durch die Weinberge der Wachau zu fahren und die traumhaften Ausblicke ins Donautal zu genießen. Nur die Gift- oder Düngerspritze, die wir von einem Weinbauern "spendiert" bekommen, der über uns seinen Weinberg bearbeitet, ist nicht ganz so willkommen.
Erste Station ist Langenlois, die "größte Weinstadt Österreichs". Viel gemerkt haben wir davon nicht, sind aber auch nur dran vorbeigefahren, weil wir nun endlich auf das Kamptal gestoßen sind und uns nicht gleich wieder durch eine Innenstadt quälen wollen. Weiter gehts nun dicht am Fluss, aber doch immer wieder heftig rauf und runter, man sieht die vielen Regulierungen des Flussbettes und ebenso immer noch viele viele Schäden, die die Flut 2002 hinterlassen hat. Scheinbar hat keine Brücke dieses Ereignis überstanden, ebenso wie ganze Häuserzeilen abgerissen werden mussten. Mittendrin gibt es dann eine echte Schrecksekunde: da fahre ich so versonnen vor mich hin, als plötzlich ein Nahverkehrstriebwagen direkt neben meinem Trommelfell einen Höllenlärm veranstaltet. Im Nachhinein war ich ihm dankbar, habe ich doch den (unbeschrankten) Bahnübergang völlig übersehen und wäre von dem Zug beinahe über den Haufen gefahren worden. Der Luftzug hätte mir fast eine Acht ins Vorderrad gepustet, so dicht vor mir ist der dann vorbei gefahren.
Von Langenlois geht es nach Schönberg und weiter nach Gars am Kamp, allerdings haben wir auf halber Strecke zwischen den beiden Orten an einem liebevoll hergerichteten Radlerrastplatz erstmal eine Pinkel- und Snackpause gemacht. Das Tiroler Pärchen, das dabei zu uns gestoßen ist, will die Strecke innerhalb einer Woche fahren - sicher auch ein schönes Projekt. Immer wieder geht der Weg auf den folgenden Kilometern wegen der Bauarbeiten an der Bundesstraße entlang, das ist nicht so toll. Kurz hinter Gars (wo wir uns natürlich dann auch das erste Mal verfahren) geht es dann aber auf eine ruhige Landstraße und auf einen zwar nicht besonders steilen, aber laaaaaaangen Anstieg, der mich das erste Mal so richtig kapitulieren lässt. Mein Trainingsstand ist wegen 3-monatiger sehnenscheidenbedingter Auszeit nicht anders als miserabel zu bezeichnen, und diese ca. 5 km bis Altenburg haben mir schon fast das Letzte abverlangt. Oben angekommen habe ich keinen Nerv, das Barockstift zu besichtigen, statt dessen wird Marcus nur mit dem Auftrag losgeschickt, die Wasserflaschen wieder aufzufüllen.
Inzwischen sind wir, wie an der Landschaft eindeutig zu erkennen ist, im Waldviertel angelangt, auch haben wir uns von den gut 200 m ü. NN in Krems inzwischen auf ca. 500 m ü. NN hochgearbeitet - dass man diese Höhenmeter dabei natürlich immer gleich mehrfach fährt, versteht sich von selbst. Auf Feldwegen geht es jetzt weiter, hügelrauf und hügelrunter - teilweise übers platte Feld, aber teilweise auch durch die charakteristischen Waldviertler Nadelwälder, deren Schatten uns sehr willkommen ist. An einem großen Fischteich wird eine weitere Rast eingelegt, zwecks Erholung der schwindenden Kräfte, auch einen Platz zum Wildzelten haben wir uns schon ausgeguckt, aber dann habe ich mich doch noch einmal zusammengerissen.
Als wir in Altpölla angekommen sind und den schmucken kleinen Zwiebelkirchturm, der weit über die Landschaft ragt, bewundert haben, scheint es laut Karte nicht mehr weit zu sein. Was wir nicht wissen, ist, dass uns bis zum nächsten Ort vier Kilometer in Serpentinen mit 14% Steigung bevorstehen. Diese Kilometer ziehen sich dann natürlich endlos hin, und die Tatsache, dass man Walderdbeeren in solchen Gebieten nicht essen soll, verstärkt den Frust nur noch. Endlich in Tiefenbach (ausgerechnet! auf dem höchsten Gipfel weit und breit!) angekommen, gehts dann aber endlich mal so richtig ausgiebig bergab, und wir können noch eine zwar serpentinige, aber lohnende Abfahrt nach Krumau genießen. Der Campingplatz dort - direkt am Thurnberger Stausee gelegen - ist mal wieder ein echter Glücksgriff, da mit Tischen, Bänken und Gratisduschen ausgestattet. Und obwohl von einer Jugendgruppe bevölkert, die nachts das ganze Programm samt Gitarren-Schrammelmusik und Mondscheinbad abspulen, habe ich selten so gut geschlafen wie in dieser ersten Nacht im neuen Zelt.










